– von Clara Christner

Wie können wir in Corona-Zeiten als Team zusammenwachsen? Wie können wir uns zu Höchstleistungen pushen und uns im besten Fall mit anderen Teams messen?

Keine Frage, die Corona-Krise hat unser aller Pläne durcheinandergewirbelt und auch wenn die Maßnahmen so langsam gelockert werden, ist uns allen klar, dass dieser Frisbee-Sommer so ganz anders werden wird, als wir uns das alle vorgestellt haben. Statt der heißen Vorbereitung auf die Saison stellen wir uns gerade ganz neuen Herausforderungen und lernen Frisbeetraining mit strengen Hygienekonzepten, genügend Abstand und in kleinen Gruppen. Mal abgesehen davon, dass ich davon überzeugt bin, dass wir auch in diesen Konstellationen gut trainieren können und vielleicht sogar die Chance nutzen können, Skills zu lernen oder zu verbessern, die im normalen Frisbeealltag untergehen, fehlen Sie uns doch besonders: die Wettkämpfe, die unzähligen Momente, in denen wir uns als Team, aber eben auch individuell zu Höchstleitungen pushen. Sei es beim Beer Race, im langen, harten Defense-Punkt oder in der entscheidenden Offense. Die Momente, auf die wir gemeinsam hinarbeiten und die uns als Team jedes Mal ein Stückchen enger zusammenbringen.

Also müssen Alternativen her, um uns ins Schwitzen zu bringen. Den Trainerinnen und Trainern von unserem Mixed-Team ist das definitiv gelungen. Nur kurz nach dem Lockdown forderten sie den Teamgeist und unser Durchhaltevermögen trotz Social Distancing zum ersten Mal heraus. Die Aufgabe: als Team gemeinsam in einer Woche 1000 Minuten Planken. Ob Front-, Back- oder Sideplank war ganz egal. Ob lange am Stück oder in vielen kleinen Schritten ebenfalls. Jede und jeder für sich im heimischen Wohnzimmer oder der Wiese hinterm Haus, im besten Fall mit einem kleinen Video als Beweis. Hoch motiviert legten wir alle los und noch vor Ende der Challenge war das Ziel bereits erreicht. Aber wir machten weiter und nach Ablauf der einen Woche hatten wir sogar 475 Minuten oben draufgelegt.

Also war klar, dass es die zweite Challenge es so richtig in sich haben musste und so lautete die Aufgabe für die zweite Woche 1001 Minuten Wall Sit. Wem jetzt schon beim Lesen die Oberschenkel brennen, der kann sich vorstellen, wie wir eine Woche gekämpft haben. Aber wir haben es durchgezogen – oder in dem Fall besser ausgesessen: alles was als Rückenstütze verwendet werden konnte, wurde genutzt, Wände aber auch Bäume. In Frisbee-Wohngemeinschaften war noch nicht mal das notwendig, sondern da wurde sich einfach die Mitbewohnerin oder der Mitbewohner geschnappt, Rücken an Rücken, Oberschenkel und Knie in einen 90-Grad Winkel und Zeit stoppen. Auch in der zweiten Woche sind alle zu Höchstleistungen aufgelaufen und wir haben die angestrebte Ziel locker geschafft. Unser Ergebnis nach einer Woche: 1689 Minuten. Neben der Aufgabe als Team die 1001 Marke zu knacken, war auch der Ehrgeiz im Team schnell geweckt und es entstand ein Battle darum, wer die Wand am längsten bezwingt. Dabei kam das mit Abstand beeindruckendste Ergebnis von einer Spielerin, die bisher vor allem durch ihre unglaublich schnellen Sprints in die Endzone aufgefallen ist. Ihr Ergebnis für den längsten Wall Sit am Stück: 45 Minuten. Man munkelt, dass ihr nach ein paar Minuten langweilig wurde und sie deshalb die restliche Zeit am Telefon verbracht hat.

In der dritten Woche wurde uns der Corona-Verzicht so richtig bewusst. Denn es stand eines der ersten Strandturniere dieses Jahres bevor und ein ganz besonderes, das zum festen Bestandteil unserer alljährlichen Turnierplanung zählt: das `Yes but Nau` an der französischen Atlantikküste. Leider war die Fahrt nach Le Pouliguen natürlich auch gestrichen. Aber nur weil fahren nicht geht, heißt es ja nicht, dass wir nicht laufen können. So war die Idee für die Challenge Nummer drei geboren: Wir laufen als Team nach Frankreich – Corona sicher wieder jede und jeder für sich allein und doch irgendwie alle zusammen. Nach nur 4 Tagen waren wir bereits da, haben aber beschlossen weiterzulaufen und sind nach einer Woche ganze 1718 Kilometer gelaufen.

In diesen drei Aufgaben sind wir trotz Corona und Social Distancing als Team gemeinsam an unsere Grenzen gegangen und jede und jeder Einzelne hat einen Teil dazu beigetragen. Wir haben unsere Core- und Beinstärke demonstriert, sowie unseren Ehrgeiz und Teamgeist weitergetragen. Das was uns jetzt noch fehlt, ist unseren Konkurrenzkampf mit euren Teams zu beweisen. Deshalb seid ihr jetzt dran: Wie viele Minuten Plank schafft euer Team? Wie lange könnt ihr an der Wand sitzen? Und wohin lauft ihr gemeinsam? Wir sind heiß auf eure Ergebnisse, eure Zahlen und eure Teamleistung. Oder habt ihr vielleicht sogar eine neue Challenge mit der ihr uns herausfordern möchtet?

Clara Christner hat in Hamburg begonnen Frisbee zu spielen. Nachdem sie ein paar Jahre in verschiedenen Städten mit unterschiedlichen Teams gespielt hat (Berlin, Heidelberg, Aarhus, Wroclaw), ist sie schließlich in Karlsruhe gelandet und ihr Heimteam sind jetzt die Gummibärchen (Heidelbärchen & Colorado, MTV Karlsruhe). Immer wieder tauscht sie gerne die Scheibe gegen das Fahrrad oder die Stollen- gegen Wanderschuhe ein. Mit Karlsruhe und einem Gemeinschaftsgarten kam auch eine neue Leidenschaft – gärtnern. Sie promoviert im Bereich politischer Kommunikation.

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