Wie es möglich ist, in einem Team Frauen ganz unterschiedlichen Alters zu vereinen

- von Cilla Rottensteiner

Mehr als einmal habe ich versucht mir diese Frage zu beantworten und bin nie zu einer allgemeinen, zufriedenstellenden Antwort gekommen. Deshalb habe ich bei meinen aktuellen und ehemaligen Mitspielerinnen nachgefragt, was ihrer Meinung nach dafür ausschlaggebend war, dass Box nun bereits seit mehr als 10 Jahren in dieser Form existiert. Dabei hat das Team nicht nur mehrmals in Folge die österreichischen Meisterschaften für sich entscheiden können, sondern sich auch einige Male für die europäischen Clubfinale qualifizieren und dort auf sich aufmerksam machen können. Auch wenn es durchaus Unterschiede in den Antworten sowie im persönlichen Zugang zur Frage gab, ist das wenig überraschend da das Team doch über die Jahre zweifelsohne etliche Veränderungen durchgemacht hat und das nicht lediglich in personeller Hinsicht, sondern bestimmt auch in der Dynamik und im Altersdurchschnitt. Trotzdem konnte ich einige wiederkehrende Punkte ausmachen, die essentiell für viele Spielerinnen waren. Ausgehend von den Meinungen von Spielerinnen meines Clubteams, die ich mithilfe einer Umfrage eruiert habe, könnte es in weiterer Folge interessant sein zu sehen, inwiefern diese Punkte auch auf andere Teamstrukturen umzulegen sind.

Allen voran scheint für die grundsätzliche Einheit eines Teams der Faktor ausschlaggebend zu sein, dass alle Beteiligten dieselben Ideen und sportlichen Vorstellungen haben, an deren Verwirklichung alle interessiert sind und folglich ihren Beitrag leisten wollen. Mit dem gleichen Ziel vor Augen spielt es auch kaum eine Rolle, wie alt die einzelnen Spielerinnen sind, denn die Basis für ein gemeinsames Trainieren ist dann gegeben. Ein explizites Formulieren der Ziele macht beispielsweise auch die Motivation klar regelmäßig an Trainings teilzunehmen, da ähnliche sportliche Ambitionen auch ein Commitment voraussetzen.
Ohne Frage stellen die zahlreichen unterschiedlichen Persönlichkeiten und Ansichten, Eigenschaften und Meinungen innerhalb eines Teams eine Herausforderung dar, die nicht immer einfach zu vereinen sind. Daher ist es umso wichtiger, sich bewusst zu sein, dass es manchmal gilt die Interessen des Teams vor die eigenen Präferenzen zu stellen. Das soll keineswegs heißen, dass Spielerinnen nicht auf ihren Körper hören sollen, sondern dass es unter Umständen zeitweise wichtiger ist, Abstriche im Niveau eines Trainings zu machen, um weniger routinierten Spielerinnen den Eintritt ins Team zu erleichtern/ermöglichen. Das bringt mich auch zu meinem nächsten Punkt, der Arbeit mit den Jugendlichen.

 

Jugendarbeit
Zentral ist auf jeden Fall der unermüdliche Einsatz von einigen Spielerinnen im Bereich der Jugendarbeit. Um ein Team über einen längeren Zeitraum hinweg aufrecht zu erhalten, bedarf es der Bemühungen mehrerer, junge Spielerinnen für den Sport zu begeistern und sie in Spiel und Sport auszubilden. Wenn Frauen bereits im Jugendteam eines Vereins Ultimate gespielt haben, bringt das auch einige Vorteile mit sich. Nicht nur, dass diese Frauen schon gewissermaßen Teil der Frisbee-Familie sind und sich in dem Umfeld wohlfühlen, sondern auch, dass sie schon Erfahrung im Ultimate gesammelt haben. So fällt der Schritt in ein Team der allgemeinen Klasse auch leichter, da weniger die Furcht vorhanden ist, nicht „gut genug“ zu sein

Jugendarbeit als wesentlicher Bestandteil - Junge Spielerinnen wurden hier beim Vienna Spring Break mit im Team integriert.

Wie vorher bereits erwähnt heißt zurückstecken eben auch, das Level im Team für eine gewisse Zeit zu senken, um neue Spielerinnen zu integrieren. Wenn das Bestreben da ist, das Team auch in Zukunft weiterzutragen, wird es auch das Commitment erfahrener Spielerinnen benötigen, länger zu spielen, sodass die Jüngeren ihren Platz im funktionierenden Team finden können, bevor die anderen in die Ultimate-Pension gehen. Gleichzeitig kann die Jugendarbeit jedoch nicht nur Zeit und Mühen für Spielerinnen bedeuten, sondern vielmehr auf lange Strecke auch (be)lohnend sein. Am Anfang gilt es selbstverständlich junge Frauen zu rekrutieren und zu begeistern, zu schulen und zu motivieren. Aber als nächster Schritt kommt dann bestimmt der Punkt, an dem sie in ein Team integriert werden und das Team auch in vielerlei Hinsicht von ihnen profitieren kann. Und zuletzt gibt die intensive Arbeit mit und die Förderung von jungen Spielerinnen die Sicherheit, dass das Team auch in Zukunft noch bestehen kann und ich denke wohl, dass das Anreiz genug sein kann/soll, in die Jugendarbeit Zeit zu investieren. Außerdem erscheint es mir zusätzlich noch super schön zu sehen, wie sich junge Talente zu wichtigen Spielerinnen entwickeln und es kann einen auch gewissermaßen mit Stolz erfüllen, zu beobachten, wie jemand den ich vom Ultimate begeistern konnte, sich beständig entwickelt und verbessert.

Nur gemeinsam sind wir stark!
Ein besonderer Aspekt, der mir in meinem Team immer aufgefallen ist, war, dass ich stets die Bemühungen darum sehen konnte, dass sich eine jede als Teil des Teams fühlt. Das wurde auf unterschiedliche Weise bewerkstelligt – nicht allein durch einen freundlichen Empfang durch routinierte Spielerinnen als vielmehr durch das ständige Miteinbeziehen von allen Spielerinnen. Das Ziel war es immer, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen; die (playing) Coaches sollten nicht  für alles verantwortlich sein, vielmehr sollte jede ihren Teil dazu beitragen, dass das Team als solches funktioniert. Ein solches Ausbalancieren von Verantwortung wie Pflichten bezieht alle Spielerinnen mehr ins Team mit ein, denn mit einer Aufgabe, die einen Teil davon ausmacht, dass das Team funktioniert, fühlt man sich direkt mehr als Teil des Teams und mitverantwortlich für jeglichen Erfolg des Teams. Darüber hinaus verlagert es auch wer im Team etwas zu sagen hat und kann es ermöglichen, unnötige Hierarchien zu entfernen beziehungsweise lediglich jene zu behalten, die eine spontane Entscheidungsfindung zulassen. Als nützlicher Nebeneffekt bedeutet das auch, dass Spielerinnen mit mehr Verantwortung auf den Schultern entlastet werden, sich in weiterer Folge mehr auf das tatsächliche Spielen konzentrieren können und dabei auch mehr Spaß haben können.

Teilung von Verantwortung neben dem Feld - hilft auch das Spiel auf breitere Beine zu stellen.

 

Der grundsätzliche Wunsch, das Team weiterbestehen zu lassen, setzt jedoch voraus, dass man offen für neue (junge) Spielerinnen ist. Das gilt es auch den unerfahreneren Spielerinnen zu zeigen, gemeinsam mit der Einstellung in gewissen Bereichen auch voneinander lernen zu können. Dabei geht es nicht nur um spielerische Erfahrung, sondern beispielsweise Motivation, anhaltende Energie oder auch mentale Stärke. Jede Spielerin soll gleich behandelt werden, da eine jede etwas Neues mit ins Team bringt, diese Eigenschaften gilt es zu schätzen und zu fördern, um jeder das Gefühl zu vermitteln, nicht nur erwünscht zu sein,sondern sogar etwas zum Erfolg des Teams beizutragen.

Abschließend möchte ich sagen, dass ich überzeugt bin, dass jedes Team anders funktioniert, andere Dynamiken lebt und ihren Fokus auf andere Ziele setzt. Nichtsdestotrotz kann ich nur von den Strukturen erzählen, die ich kenne und inwiefern sich diese auswirken (können). Im besten Fall kann die eine oder andere Person in dem in diesem Artikel Berichteten gewisse Parallelen erkennen und ihre eigenen Schlüsse daraus ziehen; anderenfalls soll es zumindest ein Beitrag dazu sein, ein umfassenderes Bild über existierende Teamstrukturen im Frauen-Ultimate zu schaffen.

Cilla spielt seit einigen Jahren in Wien Ultimate, angefangen im Jugendteam des EÖFCs und seit geraumer Zeit auch bei dem Frauenteam des Vereins, Box. Bei unterschiedlichen internationalen Turnieren (U-Klassen und allgemeine Klasse) durfte sie bereits das österreichische Frauen-Ultimate vertreten und dabei Wettkampfsluft schnuppern. Abseits vom Sportplatz ist sie auf der Suche nach einer erfüllenden Zukunft und sucht diese ab dem Herbst in einem International Relations-Masterstudium.

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