Letztes Wochenende war es nach langer Zeit endlich soweit: der erste Trainingstag des österreichischen Frauen-Nationalteams konnte trotz strenger Corona-Maßnahmen stattfinden! Seine Sachen für so ein Wochenende zu packen war nach dieser langen Zeit durchaus herausfordernd. Umso schöner war es, dann am Platz zu stehen. Vor 1,5 Jahren noch haben viele von uns das so gut wie jedes Wochenende gemacht. Heute lassen wir daher die Spielerinnen des österreichischen U24 Frauen-Nationalteams auf ein solches Trainingslager zurückblicken und nehmen euch gedanklich mit auf das Junior-Elite-Camp in Darmstadt:

Anfang November 2019 hatten wir die Chance an dem vom Deutschen Frisbeesport-Verband unter der Leitung von Nationaltrainer Stefan Rekitt organisierten Junior Elite Camp teilzunehmen. Das Trainingslager wurde von den bekannten amerikanischen Coaches und Spieler*innen Jimmy Mickle, Tulsa Douglas, Leila Tunnell und Russel Wallack geleitet. In den drei Tagen haben sie ihren umfangreichen Erfahrungsschatz und ihre Freude am Ultimate mit uns geteilt. Unsere Highlights möchten wir hier an euch weitergeben.

Fribeespielerinnen sprinten auf der Grundlinie los, Sophie pullt.
Und ab geht die Post! Sophie pullt im Scrimmage der U20. Foto: Oliver Hülshorst

Das Training bestand aus einer Mischung von Offence- und Defence-Drills, Scrimmages (kurzen spielähnlichen Übungen als Start ins Training) und auch aus so mancher Mental-Toughness Einheit. Back to Basics – hieß es vor allem, um die einzelnen Übungen besser mit Spielsituationen verknüpfen zu können und den eigentlichen Effekt besser zu verstehen. Persönliches Feedback für unsere Würfe gaben uns Jimmy Mickle und Leila Tunnell, die dank ihrer großartigen Würfe schon in zahlreichen Highlight-Reels zu sehen waren. Vor allem haben wir uns dabei auf unsere Hucks konzentriert.

Defense:

Auch in Sachen Defence konnten wir neue Erkenntnisse gewinnen. Dabei ging es um drei essentielle Dinge:

  1. Dictate: Positioniere deinen Körper so, dass du deiner Gegenspielerin nur eine Richtung anbietest und sie damit quasi in diese Richtung zwingst. Üblicherweise muss man sich dabei auf der offenen Seite entscheiden, ob man tief oder kurz verteidigen möchte.
  2. Orbit: Der optimale Winkel für einen Cut der Offence verändert sich laufend, während sich die Scheibe bewegt (z.B. durch einen Swing). Auch du als Defence musst dich laufend neu positionieren. “Orbiting” beschreibt diese neue Positionierung der Defence als Satellit, der sich um die Offence bewegt, je nachdem, wo sich die Scheibe gerade befindet und welchen Laufweg du verteidigen möchtest. Tipp: Erkenne anhand von Körpersignalen, was deine Gegenspielerin als nächstes tun will! In welche Richtung schaut sie? Wohin verlagert sie ihr Gewicht? Wohin zeigen ihre Füße? Diese Informationen helfen dir dich richtig zu positionieren.
  3. Cast & Reel: Lass deiner Gegenspielerin Platz in den weniger gefährlichen Räumen (z.B. weit im geschlossenen Raum), um dann umso stärker und enger zu verteidigen, wenn sie sich wieder in einen Raum bewegt, den die Defence deines Teams im Fokus hat! Du kannst dir die Situation vorstellen, als wäre deine Gegenspielerin ein Fisch an deiner Angel: mal lässt du locker, und wenn sie “anbeißt” und in einen gefährlichen Raum laufen möchte, ziehst du die Angelschnur an (verteidigst also enger).
Zur Reflektion nach den Einheiten kamen die Spielerinnen regelmäßig zusammen. Foto: Oliver Hülshorst

Mental Toughness:

Zwischendurch wurden auch immer wieder kurze Einheiten, die sich auf mentale Stärke fokussierten, eingestreut. Die Coaches animierten uns fortlaufend uns gegenseitig anzufeuern und zu unterstützen, was nach etwas Anlaufschwierigkeiten auch gut klappte und super motivierend war.
Das haben wir mitgenommen:

  1. „There are no big games, just big practices“ war der Leitspruch des Wochenendes. Dabei geht es darum sich immer wieder maximal zu pushen im Training. So lernt man die Trainings optimal zu nutzen und sich auf die hohen körperlichen und mentalen Anforderungen des Spiels vorzubereiten.
  2. Athletische Körperhaltung in jeder Situation, egal wie müde oder erschöpft man ist, kann viel bewirken – nach dem Motto: „Always stand like a leader!“
  3. Es gibt immer wieder Situationen am Feld, in denen man sich nicht wohlfühlt, sei es wegen Entkräftung, eines Miss-Matches oder den Bedingungen am Spielfeld. Dann ist es wichtig trotzdem selbstbewusst zu bleiben: „Feel comfortable being uncomfortable.”
  4. „Control the Controllables“: Welche Dinge können wir kontrollieren und auf welche haben wir keinen Einfluss? Wenn man am Feld steht, zählt nur mehr das Jetzt und unsere mentale Einstellung. Denn sie ist das einzige, was wir kontrollieren können. Wir haben keinen Einfluss auf das Wetter, den Spielfeldzustand etc. Auch Vergangenes lässt sich jetzt nicht mehr ändern, wie viel man trainiert hat, oder ob man kurz davor zu viel gegessen hat. Es zählt das richtige Mindset und die Motivation.

Das Ganze war eine unglaubliche Erfahrung, von der wir alle fünf sehr viel mitnehmen konnten. Auch einmal mit einem anderen Nationalteam gemeinsam zu trainieren war super und hat extrem viel Spaß gemacht. Wir wurden mit offenen Armen empfangen und die Stimmung war das ganze Wochenende ausgesprochen positiv, was einen guten Rahmen für spielerische Entwicklung und neue Freundschaften garantierte.

Die österreichischen U24 Spielerinnen und die amerikanischen Coaches
Super Stimmung nach dem Camp bei den österreichischen Teilnehmerinnen und den US Coaches. Foto: die Autorinnen.


Sophie Bretschko, Maja Ortner, Katarina Ninaus, Leonie Schreier und Flora Scala

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