-von Mona Schäck

Ultimate zu zocken in einem Mixed Team bietet viele Herausforderungen aber auch so einige Möglichkeiten.

Die beiden Geschlechter treten nicht mit gleichen Startbedingungen an – sie starten en gros nicht mit der gleichen Überzeugung von ihrem sportlichen Können, nicht mit der gleichen Aggression und Power sowie Kompetitivität auf dem Feld. Zudem sind Frauen im Frisbeesport weniger zahlreich vertreten und es besteht zwischen den Geschlechtern eine physiologische Ungleichheit. Abgesehen von den physiologischen Gegebenheiten erklärt sich die Unterrepräsentation von Frauen im kompetitiven Teamsport, oder auch in vielen Risiko- und Outdoorsportarten, durch unsere Erziehung in einer postpatriarchalen Gesellschaft und deren patriarchalen Erbe [1]. Diese Gesellschaftsstruktur wird jedoch immer bröseliger und immer mehr aufgebrochen.

Starke Sportlerinnen als Vorbilder sind auf dem Vormarsch

Starke Sportlerinnen im Leistungsbereich als Vorbild für junge Mädchen und Frauen sind heute in vielen Sportarten Normalität. Auch treiben heutzutage prozentual betrachtet beide Geschlechter ähnlich viel Sport, sofern man einen losen Sportbegriff – im Sinne von Sport als Bewegung – gelten lässt [2]. Generell können wir heute einen absolut beeindruckenden und vielversprechenden Wandel beobachten. Sportarten, die noch vor 20 Jahren klar männlich dominiert wurden, werden unaufhaltsam von Frauen erschlossen. So wurde z.B. Skispringen für Frauen erstmals 2014 ins olympische Programm aufgenommen und erst vor kürzlich das Verbot des Skifliegens aufgehoben. Selbst die Teilnahme an Langstreckenläufen, die uns heute nicht als klassisch männlich dominiert in den Sinn kämen, war Frauen früher versagt und erst Ende der 60er lief die erste Frau einen offiziellen Marathon

…auch im Ultimate!

Nach diesen doch recht allgemeinen Überlegungen zur Situation der Frau im Sport, wenden wir uns nun der Situation im Mixed Ultimate zu. Seit ein paar Jahren hat sich die Frauenszene im Ultimate in Deutschland enorm vergrößert und parallel dazu stieg auch ihr Niveau. Es gibt konkurrenzfähige Frauen- und Mixed-Nationalteams sowie Juniorinnen-Nationalteams bis in die U17, welche teilweise von Frauen gecoacht werden.

Luftkampf um die Scheibe von U17 Spielerinnen
Schon bei der U17 weiblich geht es richtig zur Sache im Kampf um die Scheibe, hier auf der EM 2019 (Foto: Olliver Hülshorst).

In den Club Teams haben wir insbesondere in der 1. Liga unter den Frauen ein sehr hohes Spielniveau erreicht und genug Spielerinnen auf dem Feld und an der Sideline. Auch in den unteren Ligen ist es immer mehr Mixed Teams möglich mit genug Frauen anzureisen. 

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Zahlen des Deutschen Frisbeesports wieder, wobei die Mixed Division die konstantesten wenn auch langsame Zuwächse verzeichnet.

Immer wieder haben Mixed Teams dennoch die Schwierigkeit genügend Frauen zu akquirieren, zu halten und zu fördern. Vielleicht liegt es daran, dass Frauen in Mixed Teams oftmals unwichtigere Spielpositionen einnehmen. Hierfür reicht es, sich ein beliebiges Mixed Spiel anzuschauen. In aller Regel pullen die Männer, sie haben im Schnitt deutlich mehr Scheibenkontakte (wobei auch positive Tendenzen hin zu mehr Ausgewogenheit zu erkennen sind), ihnen wird auf dem Feld mehr Vertrauen entgegengebracht, die Ansagen und die Reden im Kreis werden öfter von Männern gehalten. Derartige Missstände existieren, nicht, weil im Ultimate die Sportler:innen besonders sexistisch sind oder die Frauen besonders schüchtern und zurückhaltend wären, sondern weil Ultimate auch nur ein Spiegel unserer Gesellschaft ist. Hier ist es wichtig und möglich anzugreifen und aktiv die Position der Frau im Mixed Team zu stärken.

Neue Regeln bringen die Gleichberechtigung auf dem Feld voran

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung stellt die Verabschiedung der Gender Ratio A Regel dar. Diese lässt es deutlich schwieriger werden „Open mit Hindernissen“ zu spielen. Die 2019 von WODS in Belgien initiierte Gender Ratio A Regel wurde 2020 auch vom DFV übernommen. Diese neue Regel für Mixed Teams schreibt eine feste Genderreihenfolge vor. Nach dem Flip um die Offence, wird um das Gender geflippt. Das siegende Team entscheidet, ob der erste Punkt mit 4 Frauen oder mit 4 Männern gespielt wird. Die zwei darauf folgenden Punkte muss die Geschlechterverteilung andersherum sein. Den 4. und 5. Punkt muss sie so sein wie im ersten Punkt und so weiter. Dieses Muster setzt sich bis zum letzten Punkt fort und wird auch ABBA ABBA ABBA genannt. Zudem wurde neu ins Regelwerk aufgenommen, dass immer das Gender pullt, welches in der Mehrheit auf der Linie ist. Dies hat erstmalig zur Folge, dass Frauen in einem Mixed Team überhaupt einen nennenswerten Anteil der Pulls übernehmen.

Bei Spaßturnieren sammeln wohl die meisten ihre ersten Mixed Ultimate Erfahrungen

Das ist natürlich nur ein – wenn auch sehr guter – Anfang, der zeigt, wie durch eine einfache Regelveränderung der eigentlichen Idee des Mixed Spielens viel mehr entgegengekommen wird. Der Kern des Mixed Spielens ist in einem Team mit beiden Geschlechtern auf Augenhöhe miteinander zu zocken. Je weiter diese Idee umgesetzt wird, desto mehr wird die Position der Frau im Mixed Team gestärkt und desto mehr Frauen werden auch in den Mixed Teams spielen wollen. Zudem werden die Frauen sich nur durch eine aktive Teilhabe am Spielgeschehen weiter entwickeln und ihre Fähigkeiten ausbauen. Eine Frau, welche weiß, dass sie im Trainingsspiel und Turnieren pullen wird, wird das üben und andere werden sie dabei unterstützen. 

Weitere Ideen zur Stärkung der Position der Frau gibt es genug…

Ein Mixed Team kann nur 100% performen, wenn alle Mitglieder des Teams auch 100% geben und 100% von ihnen erwartet wird, um dorthin zu kommen, muss jedoch im Ultimate Frisbee die Position der Frau noch weiter gestärkt werden. Um dies über die Gender Ratio A Regel hinaus zu ermöglichen, könnten folgende Aspekte berücksichtigt werden:

  • Handling mehr von Frauen besetzen
  • Initiale Cuts vermehrt von Frauen machen
  • Im Coaching bei den Spieler:innen ein Bewusstsein schaffen für eventuelle Unterschiede in der Spielweise der Geschlechter
  • Ansagen auf der Linie auch von Frauen
  • Im Kreis sollte immer mindestens von einem Team eine Frau reden
  • Frauen auch mehr in die Verantwortung ziehen Coaching Aufgaben etc. zu übernehmen
Huddle Deutsches Mixed Nationalteam
Huddle Deutsches Mixed Nationalteam,
Ziel: 100% Performance

Die Gender Ratio A Regel und die daraus resultierende Stärkung der Frau wird erst durch die inzwischen höhere Anzahl an Spielerinnen ermöglicht. Noch besser für die rasche Genese eines ausgeglichenen Mixed Spiels wäre es, wenn in einem Mixed Team vorübergehend immer 3 Männer und 4 Frauen spielen würden. Alle auf dem Feld wären vermehrt darauf angewiesen die Frauen anzuspielen und sie als vollwertige Spielpartnerinnen wahrzunehmen. Dies ist jedoch Zukunftsmusik, da hierfür die Anzahl der Ultimate Frisbee spielenden Frauen in Deutschland noch zu gering ist. Die verfrühte Umsetzung einer derartigen Regel, würde die Frauen im Ultimate zwingen durchzuhalten statt zu dominieren. Wobei ich an dieser Stelle auf den Artikel von Katharina Aschenbrenner „Durchhalten oder Dominieren – Wie spielst du Ultimate?“ verweisen möchte.

Um in letzter Konsequenz die Position der Frauen zu stärken und uns unschlagbar werden zu lassen, sind natürlich wir Frauen selbst gefragt. Denn auch im Sport, sowie überall gilt: Alles muss man selber machen. Schon Louise Michel betonte 1883: „Ihr Frauen, ihr müsst in die Reihen der Kämpfenden eintreten, niemand wird eure Ketten abnehmen, ihr könnt euch nur selbst befreien[3].“

Mona

Mona Schäck spielt seit 2014 Ultimate. Insbesondere ihre ersten Jahre waren von sehr vielen Spaßturnieren geprägt. Abgesehen von einer Saison in Innsbruck bei Flying Circus spielt sie durchgehend bei den Heidees in Heidelberg. In der Frauendivision stellt Heidelberg gemeinsam mit Karlsruhe das Kooperationsteam Heidelbärchen, welches als Team auf 2019 als das erste internationale Jahr mit EUCR und EUCF zurückblicken kann. Seit 2018 spielt sie im Damen Nationalteam.

Neben dem Frisbee arbeitet sie als Erzieherin an einer Grundschule, liest sehr gerne, ist feministische Jungautorin und hat eine große Zuneigung zu allen Outdoor- und Risikosportarten.

Quellen:

[1] Millett, Kate: Sexus und Herrschaft. Die Tyrannei des Mannes in unserer Gesellschaft. Hamburg 1969, S. 68

[2] Haut, Jan; Emrich, Eike: Sport für alle, Sport für manche. Soziale Ungleichheiten im pluralisierten Sport. Springer Verlag. Online publiziert 2011.

[3] Geber, Eva: Louise Michel: Die Anarchistin und Menschenfresserin. Bahoe books. Wien 2019, S. 284

Vielleicht gefällt dir auch das:

2 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert